test 2

Noch ein Test ...

View Comments

test

Wieso ist der gesamte Blog weg? TEST-Post.
View Comments

Splatter in Mittelerde, Vortrag auf dem Tolkien-Tag in Geldern

Am vergangenen Wochenende war wieder Tolkien-Tag in Pont bei Geldern am Niederrhein, und zwar erneut ein Rekord-Tolkien-Tag mit mehr Besuchern als je zuvor … Und das mitten auf dem platten - aber unheimlich charmanten - Land. Danke Pont!

orks
Der Tag fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt; hier die Herren von der Security.

Ich habe dort erstmals auf Deutsch die Ergebnisse meiner Gewaltstudie von Der Herr der Ringe vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Inhaltsanalyse von Buch und Film, die sämtliche 433.000 Wörter des Buches und 39.000 Sekunden des Filmes miteinander vergleicht und den jeweiligen Gehalt von gewaltfreien und gewalthaltigen Darstellungen einander gegenüberstellt. Und da kam einiges heraus, was mich trotz recht guter Kennerschaft von Buch und Film nicht schlecht überraschte.

So handelt es sich bei der Ringerzählung zwar um die Story des "Großen Ringkrieges", wie ihn auch Tolkien selbst einmal bezeichnete - doch auf das ganze Buch bezogen gibt es nur einen Gewaltanteil von 20 Prozent, während vier Fünftel der Geschichte gewaltfrei sind. Das hätte ich so nicht gedacht. Und auch nicht, dass Jackson dieses Verhältnis nicht umkehrt.

Aber nein, in der Verfilmung gibt es zwar mehr Action und Gewalt, doch 59 Prozent, also fast zwei Drittel seiner Filme, sind ebenfalls gewaltfrei. Dabei liest und hört man immer wieder, dass Jackson ein reines Schlachtengetümmel angerichtet habe - mitnichten. Und selbst die Verschiebung hin zu mehr Gewalt ist vielfach dem Unterschied der Erzählweisen von Film und Buch geschuldet, wie im einleitenden Medientheorieteil des Vortrags erklärt wird.

Ein Artikel mit den Studienergebnissen wird im nächsten Hither Shore, dem Jahrbuch der Deutschen Tolkiengesellschaft, erscheinen, doch damit auch erst in ungefähr einem Jahr und auch nur auf Englisch. Falls ich Ihr Interesse geweckt habe, stelle ich deshalb hier die Folien des Vortrags als PDF zur Verfügung sowie einen Link zu dem 55-minütigen Videomitschnitt von Vortrag und großen Teilen der anschließenden Diskussion, der sich auf YouTube findet:



Der Film zeigt die Folien leider nicht, doch ich denke, man versteht die Ergebnisse auch so. Sonst legen Sie sich einfach das oben verlinkte PDF der Folien dazu, und Sie haben den vollen Überblick.

Viel Spaß beim Reinschauen :-)


View Comments

Rohdaten der Gewaltstudie stehen zum Download bereit

Am 26. April haben Tobias Hock die Ergebnisse unserer Vergleichsstudie "Splatter in Middle-earth" auf dem Tolkien-Seminar in Aachen vorgestellt. Dabei ging es um einen Vergleich der Gewalt- und NIchtgewaltanteile in "Lord of the Rings" als Buch und als Verfilmung von Peter Jackson.

399587_4019598068181_469106427_n

Es zeigte sich, dass die Verfilmung gewalt- und actionhaltiger ist als das Buch, dass es aber Weitem nicht so unsäglich viel mehr Blut im Film zu sehen gibt als im Buch erzählt wird. Das ist interessant, weil Jackson oft vorgeworfen wird, dass er aus dem Herrn der Ringe eine reine Gewaltorgie gemacht habe. Ist aber gar nicht so.

Die unseren Ergebnissen zugrundeliegenden quantitativen Daten stehen jetzt hier auf polyoinos zum Download bereit. Unter diesem Link oder per Klick auf den Downloadbereich rechts finden Sie eine Excel-Tabelle mit den Rohdaten und einigen wenigen deskriptiven Basisergebnissen. Die Datei enthält die Zählung und inhaltliche Zuordung eines jeden Satzes des Buchs und jeder Szene der dreiteiligen Extended BluRay-Version. Sie ist also weniger zum Nachlesen der Ergebnisse gedacht - die als Aufsatz in Hither Shore 2014 erscheinen werden (evtl. vorher eine Zusammenfassung auch hier auf polyoinos) - als vielmehr für den eigenen wissenschaftlichen Gebrauch, zum Selberrechnen.

Mit den Rohdaten können Sie eigene Berechnungen anstellen, etwa zur Komposition von Film und Buch, indem Sie den Aufbau der Storyline oder den Einsatz von Spannungsbögen anhand kategorisierter Inhalte verfolgen oder für tausend andere Sachen. Sollten Sie das Material benutzen und irgendetwas mit Hilfe der Daten publizieren, so brauchen Sie dazu keine Erlaubnis einzuholen; aber eine Mail an mich wäre schön, denn ich bin auf jedes Ergebnis gespannt.

Die Datei ist nach etwas Einlesen wohl recht gut selbsterklärend, aber natürlich können Sie sich auch gerne an mich wenden, falls Sie irgendwo etwas nicht nachvollziehen können.

The raw data of Tobias Hock´s and my study "Splatter in Middle-earth", which scrutinized the amount of violent and non-violent content in "Lord of the Rings" and the movies Peter Jackson made of it are now available as Excel-sheet right here. Feel free to use it for your own studies but please let me know every result you may achieve on this basis.


View Comments

Im Fluss der Geschichten - Gedanken über Kreativität und Adaption nach der Tolkien-Konferenz in Aachen 2013

Das Tolkien-Seminar 2013 ist beendet; eine wieder einmal sehr gelungene Reihe schöner Vorträge rund um das Thema „Adaptionen von Tolkiens Werken“. Für mich hat sich als wesentlicher Eindruck das Gefühl noch einmal deutlich verstärkt, dass wir Menschen in einem unauflöslichen Fluss von Geschichten stehen, gespeist von vielen Erzählerinnen und Erzählern, aus denen manche herausragen, wie Tolkien, die aber alle davon abhängig sind, sich von dem Fluss zu nähren, zu dem sie wiederum beitragen. Letztlich ist es ein Kreislauf der Kreativität.

Der Kosmos der Tolkien-Adaptionen ist so groß, dass es mir eine ganz besondere Freude war, von vielen kenntnisreichen Kolleginnen und Kollegen kundig hindurchgeführt zu werden. Musik, Rollenspiel in allen Facetten, Kino, Fanfiction, Hörspiel und die literarischen Nachfolger wurden behandelt ... und alles lief auf den gemeinsamen Nenner hinaus, dass alle auf der gleichen Reise sind, denselben Fluss befahren. Genau wie Tolkien.

johnstone_slide-1
(Foto einer Folie aus der Präsentation von Jay Johnstone)

Ein nettes Bonmot – ich weiß leider nicht mehr, wer es einwarf – nannte Tolkien einen „Multiplagiator“, da er schließlich zig Sagenkreise geplündert habe, um sein Legendarium zur Welt zu bringen. Das ist natürlich nicht mit abschreibenden Politikern zu vergleichen, sondern weist stattdessen darauf hin, dass kein Mensch eine Insel ist, und dass es sich eben einfach nicht unbeeinflusst erzählen lässt.

In Diskussionen weise ich in diesem Zusammenhang gerne auf einen Zeitgenossen Goethes hin, den Venezianer Carlo Gozzi, der sagte, dass es nur 36 Motive gäbe, die das Drama darstellten könne. Man mag sich über die genaue Anzahl trefflich streiten können, aber der Kern der Aussage ist völlig richtig, dass es nur eine überschaubare Anzahl von Themen gibt, für die sich der Mensch interessiert.

Das liegt, wie Sie wissen, natürlich daran, dass es nur eine überschaubare Anzahl von Themen gibt, die uns betreffen und eine noch geringere, die uns intellektuell und emotional mitreißen. Und im Bereich der Erzählungen, im Bereich der erfundenen Handlungen und Welten, ist das der alles überragende Grund, warum wir uns mit solchen ‚Lügen’ beschäftigen: Wir wollen gepackt und mitgerissen werden.

Es sind Geschichten von Liebe und Freundschaft, von Feindschaft und Hass, von Treue und Verrat, von Opferbereitschaft und Feigheit, von Unterdrückung und Rebellion, von Rettung und Verlust, von Verdammnis und Erlösung, vom Guten und vom Bösen, die das bewirken und die man sich in immer neuen Zusammenstellungen seit den Lagerfeuern der Frühzeit erzählt.

Einst, vor der Romantik ab dem ausgehenden achtzehnten Jahrhundert, waren es die Erzählung und ihr Inhalt, die im Mittelpunkt standen, und weniger ihre Urheber, auch wenn ein flotter altgriechischer oder frühneuzeitlicher Tragödien- und Komödienschreiber schon zum Star auf der Agora und im Theater aufsteigen konnte. Seine Geschichten fanden jedoch größere Beachtung als er, und das ist auch in Zeiten der Verehrung alter und neuer Dichtergrößen heute nicht so anders. Das hat Thomas Fornet-Ponse in seinem Vortrag zu recht schön hervorgehoben. Ehre wem Ehre gebührt: Aber die fruchtbare Auseinandersetzung findet mit dem Stoff statt, während andere Schwerpunkte oft nicht viel mehr als eitle Schaumschlägereien sind.

Topic first, möchte man sagen, und gerade in der Fantasy kann man einen großen Teil der Motive zwar auf Tolkien zurückführen, findet aber in ihm doch ‚nur’ den großen Kompilator, der Motive, die auf ihn übergegangen waren, neu verknüpfte. Was die ihn Adaptierenden also machen, ist nicht viel anders als das, was er tat. Auf der Konferenz in Jena wurden Untersuchungen vorgestellt, die sich genau damit befassten, was wir heute mit unserem Tolkien so alles anstellen.

Da inspiriert er Künstler wie den Briten Jay Johnstone, dessen Bilder diesen Blogbeitrag abrunden, zu eigenständigen Kunstwerken, die Tolkien zwar aufnehmen, ihn aber auch transformieren und neue wie alte Motive zu innovativem Ausdruck bringen, wenn orthodoxe Ikonographie plötzlich Anwendung auf den tolkienschen Mythos und den ihm unterliegenden Sagenkreis findet.

johnstone-3
(Beren und Luthien; © Jay Johnstone)

Viele andere Tolkienbegeisterte erzählen oder spielen einfach nur nach, was Tolkien vorgab, und das ist genauso legitim wie die Transformation. Und mancher heutzutage Kreative greift schon in zweiter Generation auf Tolkieneskes zu, mischt es noch munterer als die Vorgänger mit anderem und so wird die Spur, die Tolkien im Fluss der Geschichten hinterlässt wieder dünner, sie verwässert durch Vermischung und bleibt dabei umso mehr der immer gleiche alte Fluss.

Ist das zu bedauern? Ich denke nicht. Tolkien wird der berühmte Tolkien bleiben, auch wenn seine Einflüsse immer breitere Schichten von Erzählern beeinflussen, die diesen Einfluss gar nicht mehr auf den Professor zurückführen, weil sie ihn vermittelt aufnahmen.

Er wird auf den ersten Blick vielleicht etwas verwischt werden, wenn machtvolle Adaptionen wie die Jackson-Verfilmung auf das unschuldige Buch zurückwirken, etwa, indem die Designs der Kostüm- und Setbildner zunehmend die Bilder von Mittelerde und seinen Völkern in unseren Köpfe bestimmen.

Beiträge seitens Tolkien adaptierender Menschen schaffen oftmals auch Verbindungen zwischen dem Original und den hinzugefügten Dingen, die ursprünglich gar nicht bestanden. Später werden diese Verbindungen dann aber als organisch wahrgenommen, so dass man glaubt, sie gehörten schon immer dazu. Tobias Escher hat das in seinem Vortrag sehr eindrücklich an dem Beispiel verdeutlicht, wie stark mittlerweile Folkmusik und Mittelerde zusammengehören (zusammen zu gehören scheinen?), ohne dass jene ursprünglich irgendetwas mit Mittelerde zu tun hatte.

Dadurch geht aber Tolkien doch nicht unter! Ein Blick zurück ins Buch führt uns immer wieder zuverlässig zu unserem Professor zurück. Ein paar Schritte, vielleicht auch mal eine kleine Wanderung den Fluss hinauf, Richtung Vergangenheit, bringt uns zuverlässig wieder zu jener machtvollen Stromschnelle J.R.R. Tolkien, die den Fluss immer stärker prägen wird als er von uns vielen kleinen Kiesel am Ufer geprägt wird, die nichtsdestotrotz den weitaus größeren Teil des Flusses bilden.

Dass des Professors Einflüsse nicht mehr so überdeutlich wahrzunehmen sind, dass manches, was seiner Kreativität geschuldet ist, aus Unkenntnis anderen zugeschrieben werden wird, dass er durch die Verwässerung ein wenig verblassen wird – das ist allenfalls ein bisschen schade, aber keine Katastrophe. Und es traf schon ganz andere.

Unser Aachener Gastgeber, der Shakespeare-Experte Professor Peter Wenzel, berichtete nach Anhören aller Vorträge, dass er bezüglich der Adaptionen Tolkiens starke Ähnlichkeiten zu der sehr viel älteren Adaptionsgeschichte Shakespeares sehe. Und viele, viele Ideen sowie manch geflügeltes Wort, das 400 Jahre später noch immer in aller Munde ist, ist für die Mehrheit der Menschen nicht mehr als Wort Shakespeares erkennbar. So what? Es sind die Ideen und die Geschichten, die weiterleben. Und diese haben – bei allem nötigen Respekt – den Vorrang vor ihren Erfindern.

johnstone-1
(Beren und Huan auf der Jagd nach Carcharoth; © Jay Johnstone)

Denn diese Erfinder – selbst die genialischsten Wortschmiede unter ihnen – lebten doch auch nur von dem, was sie gehört oder gelesen haben. Sie sind auch nur ein Teil des Flusses, wenn sie auch besonders starke Stromschnellen unter all seinen Mäandern und Schlaufen darstellen, die den Flusslauf stärker prägen als die allermeisten anderen Erzählerinnen und Erzähler. Auch die Genies standen schon auf den Schultern derer, die vor ihnen kamen und es ihnen erst ermöglichten, auf nahezu perfekte Weise zu erzählen.

Die Romantik war Zeit ihres Wirkens auf der Suche nach dem Genius, von dem sie sich Befreiung aus dem Jammertal der Realität versprach. Meine vielleicht noch etwas vage und eventuell unzureichend durchdachte Vermutung ist, dass dieser Genius wir alle sind. Wir sind uns dann letztlich alle doch als biologische Einheiten wie auch als potenziell spirituelle Entitäten einfach zu ähnlich, um allzu große Unterschiede zwischen uns belegen zu können. Uns berührt allemal das Gleiche und deshalb erzählen wir uns das Gleiche, vertonen es oder bannen es auf Leinwand oder fixieren es in Skulptur.

Und das gilt ganz besonders da, wo wir Träume und Hoffnungen erleben und zu ihnen beitragen. Das muss nicht immer darin bestehen, dass Notenblätter beschrieben oder Schreibprogramme gefüttert werden. Stefanie Bauer berichtete uns davon, wie Rollenspieler durch ihr Spiel und kreatives Reenactment ebenfalls Zweitschöpfung betreiben.

Das ist – das hat Steffie nicht gesagt, also bezichtigen Sie bitte mich eventueller Übertreibung – exakt das Gleiche wie das, was Tolkien tat. Er tat es elaborierter und auch ästhetisch wirksamer als es den meisten von uns gegeben ist, aber was das kreative Moment an sich angeht, gibt es keine prinzipiellen Unterschiede zwischen dem unidentifizierbaren Jedermann und den großen Kreativen, die in der Schule gelehrt werden oder deren Werke auf Auktionen für Zigmillionen den Besitzer wechseln.

Eigentlich erzählen wir alle einander immer nur Geschichten. Auch wenn wir malen und musizieren. Auch wenn wir (rollen-)spielen. Selbst wenn wir allein sind (heute vielleicht vor dem Offline-Computerspiel, aber in gewisser Weise seit Jahrhunderten schon, wenn wir lesen) hören und erzählen wir Geschichten, weil wir dann selbst dann nicht allein sind, wenn wir allein sind.

Teil eines großen Flusses, der das menschliche Leben adaptiert ...

johnstone-2
(Galadriel; © Jay Johnstone.
Alle Fotos zeigen Bilder von Jay Johnstone, die ich mit seiner freundlichen Genehmigung veröffentliche. Mehr zum Künstler finden Sie
hier.)


View Comments

polyoinos ist abiturrelevant

Stehen Sie kurz vor dem Abitur? Na, dann bleiben Sie mal schön hier auf meinen Seiten, denn die könnten abgefragt werden!

In der Tat steht Text von mir seit Kurzem zwischen den üblichen Prüfungsverdächtigen, wie Dichtung und Wahrheit, Woyzeck oder Danziger Trilogie, wie ich durch die Mail eines Abiturienten aus Mecklenburg-Vorpommern erfuhr.

Der junge Mann schrieb mir, dass "Äxte am Stamm der Moderne" Grundlage seiner Abiklausur in Deutsch gewesen sei, und wollte nun wissen, ob seine Interpretation, die er mir knapp schilderte, zutreffend sei.

Ohne diese Mail wäre ich der Sache gar nicht gewahr geworden, denn mich hat niemand aus Schule oder Ministerium gefragt.

Das bedeutet für den Prüfling dann leider auch, dass seine in meinen Augen plausible Interpretation vielleicht gar nicht so gut ankommen wird, denn was weiß ich im Vergleich zu einem Lehrer oder Ministerialbeamten denn schon davon, was ich meine?

Vielleicht gibt es 15 Punkte ja auch nur, wenn man die Fantasy als degenerierten Nachkommen der Romantik identifiziert, deren Apologeten es allenfalls zum abgehalfterten freien Lektor bringen …

goethwein

Aber eigentlich freut es mich natürlich sehr, dass meine Arbeit wahrgenommen wird und es aus dem universitären Umfeld und den Fantasy-Fans jetzt sogar bis in die Schule geschafft hat.

Ich bin auch immer bereit, Schulen zu besuchen und mich an Unterrichtsprojekten zu beteiligen. Schicken Sie mir einfach eine Mail :-) Und ansonsten bedienen Sie sich einfach aus den hier unter CC-Lizenz veröffentlichten Texten.

View Comments

Wortpate für "Phantastik"

Neulich wurde ich der schönen Idee der Wortpaten gewahr. Das ist eine Initiative unter anderem des Vereins Deutsche Sprache e. V., die versucht, mit Hilfe der Wortpaten ein stärkeres Bewusstsein für das Deutsche und seine Schönheiten sowie seine enorme Ausdruckskraft zu schaffen. Das unterstütze ich doch gerne.

Und wer bitte schön - das sei mir in aller Unbescheidenheit zu fragen erlaubt - wäre wohl geeigneter als ich, zum Paten für das Wort "Phantastik" zu werden? Es ist schließlich das Genre, das einen sehr großen Teil meines Lebens bestimmt und dem ich mich forschend, vortragend, schreibend und lektorierend seit Jahrzehnten widme.

wortpate_phantastik_500x700

Es ist eine schöne Sache, eine Wortpatenschaft zu übernehmen, und die Kosten dafür beginnen bei 19 Euro; eine sinnvolle einmalige Spende für ein gutes Projekt. Infos finden Sie unter dem Link auf die Wortpaten oben über dem Bild.


View Comments

Honorary Doctorship

Im Rahmen des Tolkien-Seminars an der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena wurde mir am vergangenen Samstag der Doctor of Philosophy (Honoris Causa) der Dwarvish University of the Blue Mountains für langjährige außerordentliche "Services to the Tolkien Community" verliehen.

IMG_20120430_134415

Ich hatte nicht die geringste Ahnung davon und bin schlicht überwältigt!

Natürlich ist das kein normaler Dr. h.c., aber die Ehrung wird mit der gleichen Ernsthaftigkeit vorgenommen und ist wirklich eine solche - eben eine besondere Ehre, über die ich mich unglaublich freue.

Herzlichen Dank dem Committee!



View Comments

Vom Wert der Übertreibungen

Das hervorstechendste Wesensmerkmal der Phantastik sind gar nicht diese ollen Monstren, Raumschiffe und Zauberer an sich. Hervorstechend ist vielmehr die Übertreibung, die sich in diesen Bildern vom Monster und vom Zauberer ausdrückt. Nur ziehe ich vor, aus dem negativen Begriff der Übertreibung die Zuspitzung zu machen. Die Phantastik spitzt in ihren Berichten vom Unmöglichen zu und bringt die Dinge auf den Punkt.

Am eindeutigsten ist dies in der Science Fiction zu sehen. Wenn in der SF beispielsweise technische Möglichkeiten skizziert werden, indem eine Geschichte von einem Unsterblichkeitsserum berichtet, so wird anhand dieses mehr oder weniger abwegigen Beispiels beim Leser oder Zuschauer das nicht im Geringsten abwegige Nachdenken um den Sinn und Wert des Lebens und des Sterbens angestoßen.

Doch auch die Zuspitzungen der Fantasy bringen Dinge auf den Punkt, die im realen Leben von Bedeutung sind. Wenn etwa eine Fantasygeschichte ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat und diese ganz konkreten Gefahren ausgesetzt ist, so kann das Fragen im Bereich des Glaubens ebenso aufwerfen wie im Bereich der Psychologie und der persönlichen ethischen Einstellungen.

CIMG1334 - Arbeitskopie 2

Die Bedeutung der Übertreibung in der Phantastik besteht nicht darin, von Todesstrahlen zu erzählen, die ganze Welten ausradieren können und auch nicht darin, von muskelbepackten Kämpfern zu berichten, die einen rasenden Stier mit der linken Hand niederringen. Der Sinn der Übertreibung besteht darin, Situationen zuzuspitzen wie sie in der Realität nicht vorkommen können und Spotlights zu entzünden, die Sachverhalte ausleuchten, um daraus Schlüsse ziehen zu können, die in der Realität Bedeutung annehmen.

Ich muss allerdings einräumen, dass man den obigen Absatz in der Tat vor allem einer ganzen Reihe von Regisseuren und Autoren ins Stammbuch schreiben sollte, die den Hokuspokus gedankenlos, nachäffend, phantasiearm, oberflächlich und um seiner selbst willen einsetzen.

Spotlights entzünden zu wollen, steht im Mittelpunkt der phantastischen Erzählung. Und dazu eignen sich Bücher, Filme oder auch Computerspiele aus dem Bereich der Phantastik besser als alle anderen Genres. In der Phantastik besteht nämlich die Möglichkeit, sich von den Vorgaben der realen Welt zu lösen und eigene Welten zu erschaffen. Welten, die genau so eingerichtet sind, wie es die Autoren für ihre Erzählzwecke haben möchten. Der britische Dichter W. H. Auden sagte über die Welten, die die Phantasten erschaffen: „Aus ihnen können wir alle Dinge verbannen, die wir nicht für heilig, wichtig oder zauberhaft halten“ (Auden 44, meine Übersetzung).

Natürlich müssen die Autorinnen und Autoren dabei in einem glaubwürdigen Rahmen bleiben, und das erreichen sie nur, wenn sie sich an Prinzipien der Logik, der Folgerichtigkeit und der Nachvollziehbarkeit orientieren, wie wir sie aus der Realität kennen. Für ihre Geschichten gilt allgemein, was ich schon zur Fantasy sagte: Innerhalb der Geschichten besteht ein Wahrheitsanspruch, die Geschichten müssen in sich stimmig sein. Dann aber stehen ihre Handlungen zwar außerhalb des vergleichsweise engen Rahmens den unsere Realität bietet, aber ihre phantastischen Metaphern, ihre irrealen Zuspitzungen stehen für Probleme und Erfahrungen, die wir aus der Realität kennen und leuchten diese aus. Und die Übertreibung bildet den Scheinwerfer, die Zuspitzung ist das Flutlicht, das unser Denken mit neuen Ideen überschwemmt …

Dieser kleine Text ist einem Vortrag entnommen, den ich morgen halte. In diesem Sinne, bis morgen Abend, Freitag, 2.3.2012, 18 Uhr, Buchhandlung Lehmkuhl in Witten, Marktstraße 5: Vortrag, Fantasy und andere Wolkenkuckucksheime



View Comments

Der Wortlaut jener Rede von Angela Merkel zum Rücktritt von Christian Wulff, die sie dann doch nicht hielt

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Bedauern nehme ich mal wieder den Rücktritt eines Bundespräsidenten zur Kenntnis. Er war doch ganz nett. Und hübsch anzuschauen … besonders seine Frau Bettina. Ist doch schade drum, oder?

Mehr noch aber erfüllt mich mit Bedauern, was für einen Aufstand Presse und Bevölkerung um den Mann und sein Leben gemacht haben, und zwar immer wieder mit Verweis auf das Amt. Ich bitte Sie doch sehr. Und richte folgende Frage an Ihr Gewissen: Lohnte das? All die Unruhe um den Bundespräsidenten?

L´état c´est moi - der Staat bin ich. Ist es denn wirklich wichtig, wer unter mir Bundespräsident ist? Oder Bundestagspräsident? Bundesverfassungsrichter? Papst? Sind doch alles sowieso nur meine Erfüllungsgehilfen.

Und an mir wissen Sie, was Sie haben und können auch gewiss sein, dass mir niemals irgendwelche Skandale und Skandälchen Ungemach bereiten werden.

Lehnen Sie sich also zurück, lassen Sie sich überraschen, wen ich jetzt zum Präsidenten machen werde und stören Sie nicht länger meine Kreise. Danke.

Gott schütze mich, guten Tag.


View Comments