Zur Verteidigung von
Mittelerde
Über Patrick Curry´s Untersuchung "Defending Middle Earth"
© Frank
Weinreich
An die Werke von Kunst und
Literatur wird häufig die Frage gestellt: "Worin besteht
die Relevanz dieses Werkes für mein/unser Leben oder für
die Gesellschaft?". Wenn Günter Grass in diesen Tagen den
Literaturnobelpreis für sein Lebenswerk erhält, dann
sicherlich auch deshalb, weil dieses Lebenswerk es dem
interessierten Leser ermöglicht, das Leben der Menschen in
totalitärer und nachtotalitärer Zeit zu verstehen und weil
es eventuell verhindern hilft, die Fehler, die Gesellschaft
und Politik machen, zu wiederholen, indem es mittels eines
Brennglases die deutsche Tragödie dieses Jahrhunderts
widerspiegelt. Die Werke von Grass und vieler seiner
Vorgänger sind fest in der Primärwelt verankert,
beschreiben diese und geben manchmal überzeugende Antworten
darauf, wie man sich in der Primärwelt verhalten sollte.
Selbst Schriftsteller wie Gabriel Garcia Marquez spiegeln
mit den Phantasmen in ihren Werken bewußt und voller
Absicht die Primärwelt.
Daß Tolkiens fiktionales Werk
mit der Primärwelt nichts zu haben wollte, konnte ich bis
hierhin hoffentlich verdeutlichen. Tolkien setzte seine
Zweitschöpfungen in eigenem Recht in einen Raum, der keine
Berührungspunkte mit unserer realen Welt haben sollte.
Natürlich konnte auch Tolkien nur vor dem Hintergrund
seiner Erfahrungen und seiner Sozialisation in Sagen und
Mythen schreiben. Er konnte seine Geschichte nicht
bezugslos komplett neu schöpfen und mußte auf Erzählmotive
anderer Menschen und Gesellschaften zurückgreifen. Ich habe
in diesem Zusammenhang den christlichen Schöpfungsmythos,
die Edda und den mitteleuropäischen Sagenkreis genannt.
Aber die Welt von Mittelerde ist ein eigenes Universum, das
korrekt nur verstehen kann, wer es als solches liest und
nicht versucht, Parallelen zur realen Welt herzustellen.
Sein Zweck ist neben dem der Unterhaltung der, den Tolkien
in "On Fairy-Stories" als Initiierung der Phantasie, als
Wiederbesinnung (Wiederherstellung) auf das Staunen, als
Trost und als Flucht gekennzeichnet hat.
Nun scheint es aber leider so, als ob die Kritiker des HdR
Tolkien dies einfach nicht glauben oder leiden mochten.
Patrick Curry hat sich in dem sehr lesenswerten Buch
Defending Middle Earth, das leider noch nicht auf Deutsch
übersetzt wurde, sowie in dem kürzeren Aufsatz Tolkien and
His Critics: A Critique intensiv mit der Kritik an Tolkien
beschäftigt. Dabei fällt auf, daß die von Curry behandelte
Kritik nicht die handwerkliche Qualität der Erzählung zum
Inhalt hat. Statt dessen wird Mittelerde wechselweise oder
in Kombination vorgeworfen, chauvinistisch
("paternalistic", in Curry 1999, 91 "sexist"), reaktionär,
anti-intellektuell, rassistisch, faschistisch und insgesamt
irrelevant zu sein (Curry 1997, S. 16, vgl. zudem ganz
ähnlich die umfangreiche Aufzählung tolkienkritischer
Beiträge bei Jessica Yates 1995). Diese Kritik entspringt
nach Curry einem Reduktionismus, der die Integrität der
Werke Tolkiens dadurch verletzt, daß er die Inhalte nicht
als einfach für sich stehend akzeptiert, sondern alle
Handlungen und Geschehnisse so interpretiert als stünden
sie allegorisch für etwas aus unserer Primärwelt. Um es
gleich vorweg zu nehmen, Curry ist der Ansicht, daß all
diese Kritikpunkte vollkommen unangebracht sind - und ich
denke, daß er damit Recht hat.
Natürlich erscheint im HdR das als "gut" was für Tolkien
auch in der primären Welt liebenswert ist: das bäuerliche
Leben im Auenland, die Schönheit, die die Elben schon durch
ihre Sprache verkörpern und das immer wiederkehrende Motiv
der Bäume. Und es erscheint das als "Böse", was Tolkien
auch im realen Leben als bedrohlich empfand: die Ödnis
Mordors als Gegensatz zur gesunden Natur und das
Maschinenmotiv im geschändeten Auenland. Das ändert aber
nichts daran, daß es sich bei Mittelerde um eine Schöpfung
handelt, die der Primärwelt eigenständig gegenüber steht.
Curry argumentiert in diese Richtung, wenn er sagt, daß der
HdR ein eigenes Leben habe. Wenn Curry dann weiter
schreibt, daß dieses eigene Leben sogar darüber hinaus
gehe, was Tolkien mit den Geschichten erzählen wollte, so
trifft er damit den Punkt, daß Fairy-Stories Phantasie auf
Seiten der Leser und Hörer verlangen und so zu einer je
individuellen Aneignung führen. Diese individuelle Lesart
guter Fairy-Stories erhebt sie nun ebenfalls über
verallgemeinernde allegorische Deutungsbemühungen, da ein
jeder Rezipient sich die Geschichten selbst aneignet.
Ich möchte zur Illustration der falsch verstandenen
Tolkienexegese ein Beispiel für eine wohlwollende, aber
völlig danebengehende Interpretation übernehmen, das Curry
anbringt. Jack Zipes schreibt in "Breaking the magic spell"
(zit. n. Curry, 17), daß der kleine Hobbit eine Allianz
zwischen der unteren Mittelklasse - Bilbo Beutlin - und der
Arbeiterschaft - den Zwergen um Thorin Eichenschild -
repräsentiere, die sich zusammengefunden habe, um einen
parasitären kapitalistischen Ausbeuter zu stürzen - den
Drachen. Die Interpretation sei zwar amüsant, so Curry,
aber sage doch deutlich mehr über den Marxismus aus, als
über den kleinen Hobbit.
Aber erlaubt die individuelle
Sichtweise nicht gerade die mutwillige Interpretation des
Werkes in ganz eindeutige Richtungen? Kann man Tolkien also
mit gewissem Recht als Chauvinisten und Rassisten sehen?
Vielleicht. Aber dann müßte die richtungweisende
Interpetration schon sehr überzeugend sein - und das ist
sie bis jetzt nicht! Sehen wir nun einmal nach, wie man die
wesentlichen Kritikpunkte an Tolkiens Mittelerde auch (!)
behandeln kann.
1. Rassismus
Der Vorwurf des Rassismus bezieht sich darauf, daß
einerseits die Helden des HdR von typisch europäischer
Erscheinung sind, während andererseits die bösen Völker aus
dem Osten und Süden kommen, klein und von dunkler Hautfarbe
sind und teilweise geschlitzte Augen aufweisen. Aber so
kann und muß man einwenden: 1. Das Böse ist von
ursprünglich engelhafter Herkunft. 2. Sauron, Saruman und
der Herr der Nazgul sind ebenfalls Weiße. 3. Hobbits weisen
keinerlei als wünschenswert arisch zu bezeichnende Merkmale
auf. 4. Das Böse befällt auch die blonden, hochgewachsenen
Recken von Rohan und Gondor. 5. Daß der Ring überhaupt
vernichtet werden kann, hängt von der Zusammenarbeit und
Freundschaft der gemischtrassigen Freundesgruppe von
Menschen, Elben, Hobbits und Zwergen ab. Tolkien selbst hat
den Vorwurf, daß der HdR rassistisch sei, entschieden
abgelehnt und die zentrale Rolle der so europäisch
wirkenden Länder, in denen die Handlung spielt, damit
begründet, daß natürlich die Phantasien, die er erzähle
sich nur aus dem speisen könnten, was er kenne und er sei
nun einmal Europäer also müsse auch der Westen Mittelerdes
europäisch wirken.
2. Faschismus
Der HdR ist immer wieder mit Wagners "Ring der Nibelungen"
verglichen worden. Tolkien mochte Wagner nicht und er
mochte explizit die Götterdämmerung nicht und einmal soll
er aufgebracht gesagt haben: "Beide Ringe sind rund - und
damit enden die Gemeinsamkeiten!" Das Bild des titanischen
Kampfes dient den entsprechenden Kritikern als Nachweis für
faschistische Tendenzen. Und sonst? Der HdR feiere
aristokratische und feudalistische Ideale und stütze
autoritäre Handlungsweisen, heißt es. In der Tat ist es so,
daß Teile der Handlung durch starke und adlige Charaktere
vorangetrieben werden, bspw. Aragorn, König Theoden und
Boromir. Aber die Entscheidung bringen gerade die kleinen
und sich selbst unsicheren Gestalten wie Bilbo, Frodo, Sam
und sogar Gollum. Demgegenüber spielt ein allerdings
faschistisch anmutender Macher wie Boromir durch seinen
Autoritarismus und seinen Glauben an die eigene
aristokratische Überlegenheit dem Bösen in die Hände. Die
wesentliche politische Aussage des HdR, so man denn
unbedingt eine hineinlesen muß ist doch die, daß
autokratische Machtvollkommenheit in das Verderben führt.
Es wäre für Elrond, Galadriel und Gandalf doch viel
einfacher gewesen, den Ring und damit alle Macht zu nehmen.
Aber gerade dieses Ding - die absolute Macht - hätte doch
auch sie korrumpiert. Ich weiß nicht wie man hier auf
Faschismus kommen kann!
Zur Entkräftung des Faschismusvorwurfs können wir übrigens
auch Tolkiens eigene ("liberale" - so Pearce 1998, S. 133)
politische Überzeugung anführen. Eine seiner wenigen
Einlassungen zu seiner politischen Überzeugung findet sich
in einem seiner Briefe und lautet: "My political opinions
lean more and more to Anarchy (philosophically understood,
meaning abolition of control not whiskered men with bombs)
- or to 'unconstitutional' monarchy" (Carter 1981, S. 63).
Diese Einstellung lässt sich nicht mit Faschismus in
Übereinstimmung bringen.
3. Chauvinismus - Paternalismus
Die Handlung des HdR wird zu nahezu hundert Prozent von
Männern getragen - daß Eowyn den Herrn der Nazgul tötet,
ist dabei zu vernachlässigen, dient sie doch nur als
Werkzeug der mystischen Prophezeiung, daß kein Mann dies
fertigbringe (wäre ein Ent glaubhaft zur Hand gewesen,
hätte der auch gereicht - so könnte man meinen). Dem ist
wohl so. Aber ist das dann Chauvinismus? Vielleicht - wenn
man es so liest, daß Tolkien durch die einseitig männliche
Besetzungsliste Frauen die Chance nimmt, auf die
Geschehnisse, die schließlich alle Bewohner Mittelerdes
betreffen, gleichberechtigt Einfluß zu nehmen. Daß die
klassische Frauenrolle durch die Leidenspose Arwens, die
nur passiv darauf warten kann, das Aragorn wiederkommt,
unterstützt wird, macht es auch nicht leichter. Wenn man
dies also so lesen will - bitte. Was aber meiner Meinung
nach nicht geht, ist, der Handlung Sympathie für
Paternalismus und diesem folgend Chauvinismus vorzuwerfen.
Paternalismus definiert sich als autoritäre Bevormundung
anderer und Chauvinismus ist eine direkte Steigerung davon.
Für diesen Vorwurf gilt aber das Gleiche, was ich soeben
über den faschismusimmanenten Autoritarismus gesagt habe:
Wo dieser im HdR vorkommt, wird er als falsch gebrandmarkt.
Ein weiteres Beispiel dafür ist nun doch Eowyn. Sie handelt
direkt gegen den Befehl Theodens, den Heerzug nicht zu
begleiten und tötet dann den Nazgul. Hätte sie das nicht
getan, hätte dieser Gandalf am Stadttor von Minas Tirith
wohl getötet. Minas Tirith wäre doch gefallen und das
letzte Heer wäre niemals vor die Tore Mordors gezogen. Dann
aber wäre das Auge Saurons nicht abgelenkt gewesen und er
hätte die Ausstrahlung des sich nähernden Rings wohl
bemerkt ... Will man aus der Handlung des HdR eine Lektion
ziehen, so kann die allenfalls lauten, daß alles ineinander
greift und niemand sich das Recht anmaßen kann, für andere
zu entscheiden, was gut und richtig ist. Insofern greift
der Chauvinismusvorwurf zu kurz. Und zwar auch dann, wenn
es um Chauvinismus von Männern gegenüber Frauen geht, denn
dessen Kern ist ebenfalls die Bevormundung und
Übervorteilung. Sympathie für Bevormundung gibt der HdR
aber nicht her.
4. Flach- und Dummheit
Ein Vorwurf der Tolkien, aber wohl nicht nur ihm, sondern
dem gesamten Genre der phantastischen Literatur immer
wieder gemacht wird, ist der, flach und kindisch zu sein.
Also das zu sein, was man gerne als Schundliteratur
bezeichnet. Diese Kritik vergißt natürlich als erstes, daß
die Epen Homers, die Heldendichtung Ariosts und auch der
Mittsommernachtstraum Shakespeares - obwohl unstreitig als
hohe Literatur angesehen - nicht gar so anders sind. Sie
sind nur älter und haben schon Generationen inspiriert.
Diese Werke sind über Jahrhunderte und Jahrtausende bis auf
uns gekommen, weil sie irgend etwas gehabt haben, was die
Menschen dazu veranlaßt hat, sie zu bewahren. Vielleicht
sollte man auch die zeitgenössische phantastische Literatur
dem Urteil der Generationen übergeben. Denn natürlich gibt
es grottenschlechte Machwerke. Ich bin aber davon
überzeugt, daß die sich auch ganz ohne kritisches Zutun des
Bildungsbürgertums und erst recht ohne Bücherverbrennungen
erledigen werden.
Die Kritik vergisst aber auch
gerne, dass die phantastische Literatur - und innerhalb
diesen Gebietes ganz besonders das Genre der Fantasy -
anderen Gesetzen folgt als die realistische Literatur. Sie
zeigt mit der Übertretung der Realität in Richtung Magie
und Supernaturalität der realen Welt einen Spiegel, indem
diese sich nur verfremdet, überzeichnet und eventuell
stereotyp wieder erkennen kann. Das ist eine andere Methode
als die der präzisen psychologischen Charakterzeichnung in
der Gegenwartsliteratur, aber es ist eine bewusst
eingesetzte und legitime Methode. Gerade Tolkien verbindet
in der Mittelerdedichtung Realitätskritik
(Umweltzerstörung, Machtmissbrauch, Technologiekritik) mit
entgegengesetzten Idealisierungen (vgl. Petzold 2005, 54).
Soetwas kann nicht immer nur mit der Kalligraphiefeder
gezeichnet werden! Mit Petzold kann man zur Kritik an den
angeblich flachen Büchern sagen: "Die vorherrschende
Flachheit der Charaktere und Begrenztheit der
Weltdarstellung als Mängel zu rügen hieße, das Werk mit
falschen Maßstäben zu messen, nämlich nach Kriterien, die
aus der realistischen Literatur abgeleitet sind" (a.a.O.).
Oder ist das Element, an dem sich die Kritiker stören, daß
der Unwissenschaftlichkeit, der Weltferne und der Umstand,
das wir nichts Nützliches daraus lernen? In "Effi Briest"
lernen wir, was Intoleranz und echter Chauvinismus
anzurichten vermögen. Der "Faust" zeichnet ein
lehrstückhaftes Bild von menschlichem Streben, menschlicher
Hybris und vom Scheitern. Und der HdR? Zugegebenermaßen
lehrt er uns kaum etwas - außer Zuzuhören und (mit) zu
schöpfen. Er will aber auch gar nichts lehren, wie die
Gegenwehr Tolkiens gegen Allegorien zeigt. Folgt daraus
Kritikwürdigkeit? Vielleicht weil der HdR unsere Zeit
verschwendet, da er uns nichts lehrt? Ich denke kaum. Denn
zuhören zu lernen und sich der möglichen Schaffenskraft der
eigenen Phantasie zu öffnen ist natürlich ein Lernerfolg.
Ganz davon abgesehen, daß ein Lernerfolg schon ist, der
Sprache und Ausdrucksweise Tolkiens zu lauschen und so die
Möglichkeiten von Sprache und Kommunikation im Bereich des
Undinglichen zu erfahren.
... aber es ist doch, so der 5. Vorwurf "Irrelevant"
Relevanz eines Kunstwerks, aber auch Relevanz einer Sache
allgemein heißt, die Bedeutung dieser gegebenen Sache zu
bestimmen. Das kann aber nur eine ganz individuelle
Zuweisung sein. Jeder muß die Dinge in der Welt selbst auf
ihre persönliche Relevanz hin beurteilen. Deshalb spricht
aus einem pauschal erhobenen Vorwurf der Irrelevanz, der ja
darauf hin ausgedehnt wird, daß die Kritik den HdR als für
mich irrelevant bestimmen zu können glaubt, nicht viel mehr
als Arroganz, allenfalls gepaart mit Zynismus und Snobismus
(S. 142).
Trotzdem wird natürlich Kunst auch weiterhin kritisiert
werden und diese Kritik wird ja auch massenhaft
nachgefragt, da man aus ihr Hinweise darauf erhalten will,
was denn aus dem Wust an wissenswerten, lesenswerten,
sehens- und hörenswerten Kulturerzeugnissen wohl dem
eigenen Geschmack nahekommt. Insofern kann eine Kritik des
HdR, die den Maßstab für Relevanz an Nutzanwendbarkeit und
am Gehalt an Allegorisierung mißt durchaus zu dem Schluß
kommen, das dieses Buch nichts für Dich ist, wenn Du diese
beiden Dinge suchst (obwohl viele wiedersprechen werden,
die sagen, "Natürlich findest Du Nutzen und Allegorien" -
nicht zuletzt Curry selbst). Was läßt sich aber dann
finden? Laut Curry - und ich stimme ihm zu - zuallererst
"Wunder" und "(Wieder-)Verzauberung", die helfen, den
Alltag wieder anders zu sehen (S. 161). Das ist das, was
Tolkien selbst als Wiederherstellung bezeichnete. Außerdem
- und diesen Punkt führt Curry nicht explizit an - findet
man eine besondere Art von Entspannung und Genuß durch das
einfache Hinnehmen einer spannenden und mitreißenden
Geschichte. Walter Benjamin schrieb, daß Märchen dann gut
erzählt sind, wenn sie ohne den Balast psychologischer und
wissenschaftlicher Erklärung auskommen, wenn sie auf die
Mitteilung von Informationen, von denen wir schon so viel
haben, einfach mal verzichten.
Am Schluß noch ein Wort der Kritik. Patrick Curry´s Buch
weist einen großen Schwachpunkt auf, es ist inkonsequent:
Leider ist es so, daß Curry letztlich genau das tut, was er
in anderen so kritisiert. Auch er kann nämlich der
Versuchung nicht widerstehen, Mittelerde beinahe
durchgehend zu allegorisieren. In dem Abschnitt "Die
Postmoderne in Mittelerde" ("Postmodernity in Middle
Earth", S. 20-26) interpretiert Curry bspw. die Figur
Saurons als Statthalter der Moderne mit ihrem
unerschütterlichen Fortschritts- und Maschinenglauben und
den Einen Ring als "Megamaschine", deren Gebrauch süchtig
macht (76). Selbst wenn dem so wäre, daß Tolkien dies auch
so sah - er hätte dem Leser, der sich die Geschichten ja
ausdrücklich individuell aneignen sollte, dies doch wohl
nicht vorschreiben wollen - und können. Als solches
verletzt auch diese Interpretation den Stellenwert des HdR
als Zweitschöpfung.
(Frank Weinreich, Bochum 10/´99)